Vom Tier- zum Veranstaltungspark?
Überarbeitet am Donnerstag, 21 März 2013 02:27 von Redaktion Donnerstag, 21 März 2013 01:27
Exklusiv-Interview mit der Leiterin des Bischofswerdaer Zoo, Frau Silvia Berger:
Michael Klinger: Frau Berger, der kleinste Tierpark in Sachsen wird nun von Ihnen über 20 Jahre geleitet. Ein kleines Resümee?
Ich arbeite seit 21 Jahren im Tierpark und seit Juli 2001 als Leiterin. Die ersten Jahre mit Herrn Siegfried Nützsche, langjähriger Leiter und Mitbegründer des Tierparks, möchte ich nicht missen. Hier konnte ich Erfahrungen sammeln, die bis heute Anwendung finden. In den letzten 15 Jahren hat sich im Tierpark viel verändert. Von zahlreichen Tierarten mussten wir uns trennen, um Platz für die verbliebenen 60 Arten zu schaffen. Wir haben uns sehr bemüht, die Qualität der Tierhaltung und Präsentation zu verbessern, um einem modernen Zoo gerecht zu werden. Nicht einfach für einen kleinen Zoo, der nicht die nötigen Mittel zur Verfügung hat, wie die Großen, aber mit denselben Maßstäben gemessen wird. Umso mehr freue ich mich, dass wir es gemeinsam geschafft haben, eine Vielzahl an Projekten umzusetzen.
Wie war es möglich, als so kleiner Tierpark zu überleben?
Hier spielen viele Faktoren eine Rolle. Entscheidend ist, dass die Stadt Bischofswerda den Tierpark, trotz immer knapper werdender Finanzmittel, fördert und finanziert.
Seit 18 Jahren erhalten wir eine Förderung vom Kulturraum Oberlausitz Niederschlesien, die ca. 25% der laufenden Kosten deckt und wesentlich zur Entwicklung des Tierparks beiträgt. Die Zusammenarbeit in der Facharbeitsgruppe gibt uns zudem neue Impulse für die Arbeit. Eine entscheidende Wende für den Tierpark gab es im Jahr 2001, als die Lebenshilfe e.V. Bischofswerda neuer Träger des Tierparks wurde. Es wurden 12 Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung geschaffen. Die Arbeit im Tierpark fördert bei den Mitarbeitern der Lebenshilfe die Selbstständigkeit und das Verantwortungsbewusstsein, was sie im Haustierbereich, der Parkpflege und bei der Eintrittskassierung täglich unter Beweis stellen. An der Seite eines starken Vereins war es möglich, neue Wege zu gehen.
Im Jahr 2002 erfolgte der erste entscheidende Schritt, wir entwickelten, gemeinsam mit Dr. Udo Gansloßer aus Fürth, das Konzept „Mit Bär & Co. im kleinsten Zoo“. Die Konzepterstellung erfolgte auf der Basis moderner internationaler Entwicklungen und ist einmalig in der Zoowelt. Im Zuge der Umsetzung konnten wir uns zu einer modernen Einrichtung entwickeln und überregional Anerkennung erlangen. Unterstützt werden wir durch unsere Besucher, die dem Park die Treue halten.
Wir haben ein Netzwerk an Partnern, die alle zur Erhaltung des Tierparks beitragen. Dazu gehören u.a. der Tierparkförderverein, die ca. 30 Tierpatenschaften, Förderer und Spender sowie die geförderten Maßnahmen durch das Jobcenter. Um allen Aufgaben gerecht zu werden, wird das engagierte Tierparkteam, was aus fünf Fachkräfte besteht, von ehrenamtlichen Zoopädagogen und Helfern unterstützt. An dieser Stelle - herzlichen Dank!
In den letzten Jahren wurde viel investiert, die Erlebnisbühne, aktuell der neue Eingangsbereich. Wie finanziert man das?
Um eine gute Idee umzusetzen, muss man versuchen einen Partner zu finden, der so begeistert ist, dass er das Projekt unterstützt. Wir hatten Glück!
Die Erlebnisbühne wurde durch eine großzügige Spende der Sparkassenstiftung des Landkreises Bautzen und der Aktion Mensch gefördert. Weiterhin sind Spenden und Eigenleistungen in das Projekt geflossen. Unterstützung erhielten wir durch das Planungsbüro von Ute Günther, Garten- und Landschaftsplanerin aus Bischofswerda, und das Ingenieurbüro Müller und Hilmes aus Schmölln.
Der Eingangsbereich ist ein Projekt, welches aus Mitteln der Europäischen Union im Rahmen der Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung realisiert wird. Unterstützt durch die Stadt Bischofswerda als Projektpartner, die Lebenshilfe als Projektkoordinator (Lead Partner) und die Gemeinde Gryfów Śląski als polnischer Projektpartner.
Seit Fertigstellung der Erlebnisbühne wird ein umfangreiches Programm an Veranstaltungen angeboten. Ist der Mangel an so einem Angebot so groß, dass der Tierpark die Lücke füllen muss?
Damals haben wir überlegt, was wir an dieser Stelle im Tierpark bauen. Geplant war ein weiteres Tiergehege für Murmeltiere, wie im Konzept vorgesehen. Die Nachfrage nach einem Spielplatz war ebenfalls sehr hoch. Die entscheidende Idee hatte Jürgen Bergmann von Einsiedel. Eine Bühne mit Labyrinth und Klettermöglichkeiten zu verbinden, ein guter Gedanke für unseren kleinen Tierpark. Eine Bühne im Mittelpunkt des Tierparks gibt uns immer neue Impulse und schafft Angebote für alle Altersstufen. So bleibt man auch als kleiner Park im Gespräch. Wir können nicht jedes Jahr ein neues Gehege bauen, dazu fehlen uns der Platz und das Geld. Aber wir können jedes Jahr eine neue Veranstaltung durchführen.
Zoos sind multifunktionale Kultureinrichtungen und bieten eine Vielfalt an kulturellen Möglichkeiten. Durch die kulturellen Aktivitäten werden neue Zielgruppen gewonnen, die eine Bindung zum Tier-und Kulturpark erfahren. Es ergeben sich Synergie- Effekte, die aus der Arbeit mit Kindereinrichtungen, Vereinen und Künstlern entstehen. Wir müssen keine Lücke füllen, neue Ideen und Angebote beleben die Stadt und machen sie für Touristen attraktiver. Letztendlich entscheidet der Besucher!
Welche wirtschaftliche und touristische Bedeutung hat der Tierpark, wenn man ihn zum Veranstaltungspark machen will?
Wir sind seit 55 Jahren eine „Kultureinrichtung“- kein Veranstaltungspark! Erstmals haben wir das 2012, durch unsere Umbenennung zum Tier- und Kulturpark, öffentlich gemacht!
Als Tier- und Kulturpark haben wir 365 Tage im Jahr geöffnet und bieten ein umfangreiches Angebot an Aktivitäten mit überregionalem Interesse. Dazu zählen u.a. Zooführungen, Vorträge, Theaterveranstaltungen und Projekte der Zooschule. Zukünftig sind im Begegnungszentrum, was im November übergeben wird, Ausstellungen geplant. Höhepunkte im Jahr sind unser Kinderfest, Seniorenfest, Tierparkfest und Halloween.
Unsere Bühne steht Kinder und Erwachsene zur Verfügung, die sich gern einem größeren Publikum präsentieren möchten. In diesem Jahr sind es fünf unterschiedliche Kindereinrichtungen, die dieses Angebot nutzen.
Kultur beinhaltet auch weitere Möglichkeiten, die man mit einem Tierparkbesuch verbinden kann. Zukünftig werden wir Partner bei „Oberlausitz per Rad“ und bieten Touristen einen Service für hochwertige Leihräder und E-Bikes an.
Damit gehen wir neue Wege, um stärker Gäste in die Region zu holen. Die steigenden Besucherzahlen unserer Einrichtung zeigen die wirtschaftliche Bedeutung für die Region als Aushängeschild und Motor. Zunehmend kommen auch Gäste aus weiterer Entfernung zu uns, sogar recht viele aus den Altbundesländern.
Diese Veranstaltungen sind ja mit Geräuschen und Akustik verbunden, Theater, Livemusik u. ä. Wenn die Tiere sprechen könnten, was würden die wohl dazu sagen?
Wir führen keine Open–Air Konzerte durch!
Musikveranstaltungen finden in der Regel in der Saison, einmal monatlich und nur nachmittags, statt. Ruhephasen sind für Mensch und Tier täglich gegeben. Unsere Tiere sind mit den Geräuschen, die bei einer Veranstaltung entstehen, vertraut.
Haustiere bekommen allenfalls Panikattacken bei ungewohnten Geräuschen, die sie nicht einordnen können, wie Silvesterknallerei. Wildtiere fühlen sich in ihrem Revier sicher. Solange Rückzugsmöglichkeiten bestehen, ist der Trubel außerhalb vom Gehege kein Problem. Verhaltensbeobachtungen in unserem Park haben gezeigt, dass die Tiere keine Auffälligkeiten bei Veranstaltungen zeigen. Im Gegenteil, bei einer Theaterveranstaltung sind die Papageien lauter als die Darsteller. Braunbär und Waschbär lassen sich das tägliche Bad selbst beim Tierparkfest nicht nehmen.
In vielen Tierparkordnungen findet man Verbote für das abspielen von Radios oder die Benutzung von Geräusche erzeugenden Gegenständen. Tiere und andere Besucher sollen nicht belästigt werden. Wie ist das in Bischofswerda geregelt?
Das war nie ein Problem bei uns.
In unserer Parkordnung steht, dass es verboten ist, Tiere zu necken und aufzuscheuchen, das schließt derartiges Verhalten ein. In unserem kleinen Park sind andere Kriterien entscheidender. Ich denke insbesondere an die Aufsichtspflicht und das Fütterungsverbot, hier steht das Leben von Mensch und Tier auf dem Spiel.
Auf der Internetseite des Tierparks findet man den Satz: „In einer Zeit der Technologie ist es wichtig, dass Menschen und Tiere kulturvoll zueinander finden.“ Was soll sich der Leser/Besucher darunter vorstellen?
Die ständigen technischen Veränderungen und Neuerungen bestimmen unser Leben. Zur gleichen Zeit gibt es eine wachsende Bedrohung für Tier, Natur und Ökosysteme.
Wir müssen uns etwas einfallen lassen, um Kinder und Erwachsene für Natur zu begeistern. Vor allem Kindern wird der einmalige Kontakt zu Tieren im Zoo ermöglicht. Jährlich besuchen ca. 70.000 Menschen aus allen Ebenen und Bereichen der Gesellschaft unsere Einrichtung. Mit Theater und Musik erreichen wir neue Zielgruppen, die dann, wenn auch unbewusst, Tiere erleben und schätzen lernen. Mensch, Natur & Kultur sind eine Einheit, geschichtlich wie psychologisch. Ohne Natur gibt es keine Kultur und keine Zivilisation (Haustiere, Nutzpflanzen, Rohstoffe). Wir wollen zeigen, wie Natur die Grundlage ist, auf der Zivilisation und Kultur gründet und wie beide miteinander verbunden sind.
Frau Berger,, wir danken Ihnen für das offene Gespräch und wünschen viel Erfolg.
Liebe Leser, Ihre Meinung ist gefragt: Sie uns eine Email, einen Brief oder hinterlassen Sie uns und den anderen Lesern einen online-Kommentar. Gerne veröffentlichen wir ihre Zusendungen in den nächsten Ausgaben.
Interview + Bilder: Michael Klinger
WeiterlesenKunst entsteht durch Inspiration und Kunst inspiriert uns
Überarbeitet am Sonntag, 5 Februar 2012 05:25 von Redaktion Sonntag, 29 Januar 2012 12:43
Karsten Richter zeigt Perspektiven in der Carl-Lohse-Galerie in Bischofswerda
Bischofswerda. (B.M.) „Seine Welt hat auf den ersten Blick mit unserer nichts zu tun.“ So begann der Maler, Grafiker und Pädagoge Andreas Frister seine Laudatio auf Karsten Richter, der am Abend des 21. Januar in der Carl-Lohse-Galerie in Bischofswerda seine Ausstellung „Perspektiven“ eröffnete. Das Kunst nicht immer offensichtlich sein muss, bewies der Andrang zur Vernissage, denn trotz des heftigen Schneetreibens hatten weit mehr als hundert Menschen den Weg in die Galerie in der Dresdner Straße 1 gefunden.
Andreas Frister bezeichnete den jungen Bischofswerdaer Künstler als einen Suchenden, der mit seinen Bildern eine Nabelschau betreibt, wo andere daran vorbeigehen und sich nicht äußern. Seine Werke erfordern genaues Hinsehen, dann offenbaren sich Zeit, Vergänglichkeit und Naturnähe. Seine Landschaften, besonders die Schottlandbilder, zeigen, dass er im Moment die Farbe studiert. Der Betrachter spürt nahezu den allgegenwärtigen Nebel, der über dem grünen Land liegt. Es sind Landschaften, die nur sparsam auf Spuren von Menschen hinweisen, aber trotzdem die Sehnsucht nach diesem Land wecken. Auch seine Porträts sind von ausdrucksvoller Einfachheit. Das Nichts zwischen den einfachen Linien wird vom Betrachter selbst gefüllt und lässt die abgebildeten Personen so erscheinen, wie sie sich Karsten Richter gedacht hat. Bischofswerda könne sich glücklich schätzen, so einen Künstler zu haben, schließt Frister. Der Vertreter des Kulturamtes der Stadt, Norman Reitner, sieht darin keinen Zufall, dass die Perspektiven von Karsten Richter an die Gedächtnisausstellung für Jens Hackel (1966-2011) anschließen. Kunst entstehe durch Inspiration und Kunst inspiriere uns. Den Besuchern empfiehlt er auch die ausgestellten Fotografien zu betrachten, da Karsten Richter auch hier seinen Blick für den richtigen Moment beweise.
Mit einer außergewöhnlichen Performance eröffnete die Band GT500 aus Großröhrsdorf stimmgewaltig das Event. Die Musik fand sich in den Kunstwerken wieder. Avantgardistisch mit vielen kubistischen und surrealen Momenten, wie der Bischofswerdaer Künstler selbst seine Arbeiten beschrieb. Wohl der Hauptgrund, weshalb sich das Alter der Besucher der Carl-Lohse-Galerie an diesem Abend so augenscheinlich verjüngt zeige, wie er schmunzelnd konstatierte. In der Tat war das Publikum sehr jung und sehr interessiert an den Werken von Tuomar, wie sich Karsten Richter seit einem Aufenthalt in Finnland mit Künstlernamen nennt. Tuomari bedeutet im Finnischen nichts anderes als Richter. Auf jeden Fall passend zur nordischen Tonalität der Ausstellungsstücke. Sie sind ein Spektrum aus 14 Jahren Arbeit, wie der Maler informiert. Der Umgang mit Farbe und Flächen und die Aufarbeitung der Schottlanderlebnisse werde ihn noch eine Weile beschäftigen. Seit Juli 2011 widme er sich in seinem eigenen Atelier ganz seiner Kunst. Am Schluss seiner Rede bedankte sich Karsten Richter bei Norman Reitner vom Kulturamt, durch dessen Unterstützung diese Ausstellung Wirklichkeit wurde, bei der Buchbinderei Grafe, die den Katalog zur Ausstellung am Tage der Vernissage druckfrisch geliefert hat und bei den Musikern André, Henry und David von GT500, die er für die wichtigste Band in der Region hält, und die anlässlich der Ausstellungseröffnung ihr erstes Konzert nach langer Pause gegeben haben.
Die Ausstellung „Perspektiven“ von Tuomar alias Karsten Richter ist noch bis zum 19. Februar 2012 in der Carl-Lohse-Galerie in der Dresdner Straße 1 in Bischofswerda zu sehen. Öffnungszeiten sind montags von 10 bis 12 Uhr, dienstags von 10 bis 16 Uhr, donnerstags von 10 bis 18 Uhr, freitags von 10 bis 12 Uhr und sonntags von 14 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung unter Telefon 03594-786170.
Text+ Bilder: Birgit Matuschewski
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