Andreas Holm und Thomas Lück im Doppel-Interview

Überarbeitet am Montag, 4 Juni 2012 03:25 von Manja Gress Dienstag, 22 Mai 2012 08:10

Andreas Holm und Thomas Lück bei einem Auftritt in Wismar. Foto: privat

Andreas Holm und Thomas Lück bei einem Auftritt in Wismar. Foto: privat

Andreas Holm und Thomas Lück gehören zu den bekanntesten Schlagerstars der ehemaligen DDR. Auch heute sind sie noch auf vielen Bühnen unterwegs und erfreuen alte und neue Fans mit ihren Liedern. Wieviele Veranstaltungen so im Jahr zusammenkommen, wie dicke ihre Freundschaft ist und welche Erfahrungen beide nach der Wende machen mussten, haben sie dem Bautzener Boten erzählt.

Was gibt es über aktuelle Projekte zu berichten? Sie sind beide beruflich oft zusammen unterwegs.

Holm: Ja, wir touren auch in diesem Jahr wieder durch alle Gebiete der Ex-DDR. Ich arbeite an neuen, witzigen Songs für uns beide und ansonsten lassen wir “Überraschendes” einfach auf uns zu kommen.

Lück: Wir sind Solo -Sänger, stehen aber seit 1969 auch gemeinsam auf der Bühne und das sollte auch so bleiben. Privat macht jeder seins und das funktioniert auch gut.

Wie sieht so ein musikalisches Programm aus? Sind es eher die Hits von damals, die das Publikum begeistern oder gibt es vor allem Songs aus den letzten Jahren?

Holm: Ich denke, da ist uns eine gute Mischung gelungen. Wir haben viel Spass auf der Bühne, der sich auf unser Publikum überträgt. Die neuen Songs sind aus dem Leben gegriffen und amüsieren die Menschen, zum Beispiel das Lied “Wir sind alle nicht ganz dicht”. Unsere “alten” Hits, kommen natürlich auch nicht zu kurz. “Varadero”, “Wo kommt der Schnee auf dem Kilimandscharo her” oder “Siebenmal Morgenrot” und “Ich koche für mein Leben gern”, gehören selbstverständlich in unser aktuelles Programm.

Lück: Wir haben die alten Titel neu produziert und interpretieren sie im modernen Gewand.

Sie sind beide als Solo-Sänger bekannt geworden, haben aber mittlerweile einen gemeinsamen Internetauftritt (Holm-Lueck.de). Heißt das, dass Sie privat so richtig dicke Freunde sind?

Holm: Als “dicke Freunde” kann man uns heute zwar nicht mehr bezeichnen, aber wir arbeiten seit über 40 Jahren auf kollegialer Ebene freundschaftlich zusammen. Das soll uns erst mal einer nachmachen.

Man hat Sie schon früher zusammen auf der Bühne gesehen. Toll, dass Sie dieser Tradition treu geblieben sind.

Andreas Holm, 2009, Foto: privat

Andreas Holm, 2009, Foto: privat

Holm: Ja, obwohl jeder seine solistischen Wege gegangen ist, sind wir parallel dazu seit 1969 schon gemeinsam auf Tour. Nach einer siebenjährigen Pause nach der Wende, haben wir das
fortgesetzt und ich habe begonnen, für Thomas und für mich Duette zu schreiben, die stark in Richtung “Spassabteilung” gingen. Mit Titeln wie: “Was woll’n wir in Hollywood”, “Die Süße auf der Palme” oder “Baby mach lieber die Lichter aus, so taufrisch sehn wir nicht
mehr aus”, konnten wir uns nicht nur selbst auf den Arm nehmen, sondern auch wieder Erfolge im Fernsehen und im Radio verbuchen.

Wieviele Auftritte bestreiten Sie so im Jahr?

Lück: Ungefähr 50-60 Veranstaltungen.

Oft sind Künstler aus der Ex-DDR vor allem dem Publikum aus „dem Osten“ bekannt. Wie ist die Verteilung von Ost- und West-Fans bei Ihnen?

 Lück: So gut wie nur  “EX DDR” Publikum

Holm: Die Zahl der Fans aus dem Westen würde ich als sehr überschaubar bezeichnen. Unser Publikum, das sind hauptsächlich die Menschen aus dem Gebiet der ehemaligen DDR.

Für viele Künstler aus der damaligen DDR sind die Angebote nach der Wende ausgeblieben. Wie haben Sie und Thomas Lück diese Zeit erlebt?

Lück: Es war schwer. Wie viele andere musste auch ich mich nach anderen Möglichkeiten umsehen. Es war traurig

Holm: Unsere Ansprechpartner für Veranstaltungen, wie zum Beispiel Kulturhäuser, wurden meist dicht gemacht. Die alten Künstleragenturen ebenfalls. So genannte “Betriebskulturveranstaltungen” gab es kaum noch. Somit haben wir uns entschlossen in “Zwangsrente” zu gehen. Erst nach sieben Jahren Pause haben wir wieder ganz neu angefangen.

Die Euphorie war bei vielen Menschen damals groß. Dass sich auch die negativen Seiten mit Arbeitslosigkeit und Existenzangst bald zeigen, haben viele damals nicht erwartet. Waren Sie selbst auch so euphorisch?

Lück: Ich war nicht euphorisch, ich kannte den Westen schon, dachte aber nicht, dass es so schlimm werden sollte Bin aber wieder aufgestanden und habe gekämpft.

Holm: Bei aller Begeisterung darüber, dass Deutsche nicht mehr von Deutschen getrennt wurden, Familien wieder vereint waren, ahnte ich schon, dass es zu großen Umbrüchen kommen würde.

Wie haben Sie und Ihre Kollegen die Wende erlebt? Ich könnte mir vorstellen, dass es bis 1991, als das DDR-TV abgeschaltet wurde, bei vielen noch recht gut lief. Aber spätestens mit dem Ende des DDR-Fernsehens musste jeder selbst sehen, wo er bleibt.

Andreas Holm auf einem Plattencover aus den 70er Jahren, Foto: Archiv

Andreas Holm auf einem Plattencover aus den 70er Jahren, Foto: Archiv

Holm: Ja, wir haben noch eine Veranstaltung für “Westgeld” gemacht, dann blieben die Angebote aus, denn jetzt wurde auch der Ostteil Deutschlands zur internationalen Bühne. Das Bedürfnis der Menschen war groß, die internationalen und die westdeutschen Stars mal hautnah zu erleben. Da waren wir erstmal abgemeldet.

Herr Holm, Sie erzählten mal bei einer TV-Sendung, dass Sie im Imbiss-Stand ihrer Frau gearbeitet haben und dort gleich in den ersten Tagen überfallen worden sind.

Holm: Ja, es waren zwar nicht meine ersten Erfahrungen mit dem Westen aber es waren die „eindringlichsten”. Wenn dir jemand eine Pistole an den Kopf hält, dann ist es aus mit lustig. Ich war eben auf besondere Weise im “Wilden Westen” angekommen.

Viele Menschen, die in der DDR gelebt haben, erinnern sich gern an die Zeit zurück, werden aber von Leuten und vor allem Medien „aus dem Westen“ oft dafür kritisiert. Wie blicken Sie auf Ihr Leben und Ihre Karriere damals zurück?

Lück: Ich habe meinen Beruf als Sänger richtig erlernt und habe damit bis heute viel Erfolg. Ich stehe also seit 1964 auf der Bühne und das können ja nicht sehr viele Künstler im ” Westen” nachmachen Es gab ja nicht nur Heesters sondern viele Eintagsfliegen im Westen.

Holm: Ich konnte mich nicht beklagen. Mein Leben verlief recht gradlinig. In Vaters Frisiersalon gelernt, dort meine jetzige Frau kennengelernt, später den Meister gemacht, parallel dazu eine tolle Gesangskarriere aufgebaut … Und ich durfte bis heute mein “Hobby” als Beruf ausüben. Was will man mehr?! Unabhängig von den politischen Gegebenheiten und den damit verbundenen Lebensumständen, haben die meisten Menschen im Land ein ganz “normales” Leben gelebt. Sie haben sich verliebt, sie haben gearbeitet, sie hatten Spass mit ihren Freunden und haben sich mit allem anderen irgendwie arrangiert. Und auf eben dieses Leben blicken viele, mit Recht, positiv zurück. Für Menschen, die ein anderes Weltbild hatten, die die DDR verlassen. wollten, war das Leben, um es vorsichtig auszudrücken, recht
unerfreulich. Rückblickend können sicher viele Menschen eine Menge Positives in ihrem
Leben in der damaligen DDR entdecken, aber die DDR wiederhaben wollen wohl die wenigsten.

Sind sie auch noch mit anderen TV-Gesichtern befreundet?

Holm: Ja, mit Hartmut Schulze Gerlach, den die meisten vor allem als Muck kennen, war und bin ich noch immer befreundet. Leider hat er seine Lebensmitte an die Ostsee verlegt und spontane Treffen, so wie früher, sind somit in den Hintergrund gerückt. Kontakte zu vielen anderen “Ost- TV Gesichtern” ergeben sich zur Freude aller Beteiligten, auch noch ab und zu.

Lück: Zu Frank Schöbel habe ich ein gutes Verhältnis, oder Michael Hansen, Hans Jürgen Beyer.

Sender mit starkem Bezug zum Osten Deutschlands, wie der MDR, scheinen gerade im Verjüngungswahn zu sein und ersetzen liebgewordene Sendungen durch neue, samt dazugehörigem Personal. Wie finden Sie das?

Holm: Ja, das kann ich zumindest mit den Worten “sehr erstaunlich” kommentieren. Die Menschen werden immer älter, aber als TV Publikum werden sie scheinbar völlig vergessen. Irrsinn.

Thomas Lück ins ganz jungen Jahren. Foto: Archiv

Thomas Lück in ganz jungen Jahren. Foto: Archiv

Lück: Wenn der MDR denkt, junges Publikum zu gewinnen, kann ich dem Sender nur alles Gute wünschen.

 Sie wirken immer gut gelaunt. Haben Sie einen Tipp, wie man sich trotz Rückschlägen und Ärger im Alltag die gute Laune bewahren kann?

Holm: Sich selbst nicht zu ernst nehmen, allem das Positive abgewinnen, dann klappt`s schon.

Lück: In unserem Beruf muss man immer positiv denken und auf der Bühne ein freundliches Gesicht machen. Weinen kann man in der Garderobe.

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Lutz Jahoda: “Dass die Ost-Stars im Westen keiner wollte, kann ich verstehen”

Überarbeitet am Montag, 4 Juni 2012 03:23 von Manja Gress Mittwoch, 2 Mai 2012 11:33

Mit den Volksmusikstars Stefanie Hertel und Stefan Mross beim Riverboat.Schon zu DDR-Zeiten war Lutz Jahoda ein TV-Urgestein. Die Fernsehzuschauer kannten den beliebten Entertainer aus Sendungen wie dem “Wunschbriefkasten”oder “Mit Lutz und Liebe”, von der großen Bühne des Berliner Friedrichstadtpalastes oder aus Schwänken wie “Drei reizende Schwestern”. Heute genießt der 84-Jährige sein Rentnerleben – wenn er nicht gerade Bücher schreibt oder mit seinen musikalischen Erinnerungen auf Tour geht. Der Bautzener Bote sprach mit ihm über alte Zeiten, die Wende und seine Versuche, als Geschäftsmann im Westen Fuß zu fassen.

Herr Jahoda, Sie waren im März auf der Leipziger Buchmesse. Was der eine oder andere noch nicht weiß: Sie haben schon mehrere Romane geschrieben. Wie kam es dazu?

Eigentlich wollte ich Journalist werden. Somit war Schreiben schon immer meine zweite Berufsstrecke. Da lag es nahe, mich nach der Wende dem großen Format zu widmen. Ich war inzwischen zweiundsechzig, immer noch freischaffend und hatte aufgrund der veränderten Verhältnisse endlich Zeit, und so entstanden im Lauf von dreiundzwanzig Jahren die Bücher „Lutz im Glück und was sonst noch schief lief“, dann die Romantrilogie „Der Irrtum“, danach das heitere Buch „Fernsehkommissare haben ´s gut“ und zuletzt „Up&Down – Nervenstark durch ein verhunztes Jahrhundert“.

Haben Sie das Singen etwa aufgegeben oder stehen Sie auch heute noch, so, wie Sie Ihre Fans kannten, als Sänger und Entertainer auf der Bühne?

Es gibt noch ein musikalisches Programm mit mir, das auf Wunsch gebucht werden kann, und zwar über die folgende E-Mail-Adresse: lutzeja@t-online.de Titel dieser Präsentation: „Mit Lutz und Liebe – Eine literarisch-musikalische Erinnerungsreise mit Lutz Jahoda“.

Wie sieht denn eine Woche von Lutz Jahoda so aus?

Ausgewogen gemütlich. Wie sich das für einen Urgroßvater gehört. Was mich aber nicht davon abhält, als Korrespondent der „Deutschen Rundschau“ in Ontario, Kanada, monatlich ein bis zwei Beiträge zu schreiben.

Haben Sie noch Kontakt zu „alten“ Kollegen, mit denen Sie vor der Wende Jahrzehnte lang auf der Bühne standen?

Mit Heidi Weigelt beim WunschbriefkastenNicht nur mit Kollegen, die vor der Kamera standen. Auch mit jenen, die unsichtbar an der Gestaltung von Sendungen beteiligt waren. Befreundet bin ich aber auch mit Heidi Weigelt, mit Jürgen Walter, Ingo Graf, Alfons Wonneberg und Peter Wieland. Mit Herbert Köfer hatte ich eine zeitlang auf der Bühne zu tun. Ingeborg Krabbe sehe ich gelegentlich. Marianne Kiefer und Helga Göring mussten wir bereits zu Grabe tragen. Mit den auf  DVD im Handel verfügbaren Folgen der Erfolgsreihe  „Drei reizende Schwestern“ sind uns Marianne und Helga lebendig geblieben.

Wenn Sie heute zurückblicken: Ist Ihr berufliches Leben so verlaufen, wie Sie es sich in Jugendjahren erträumt hatten?

Mit diesem schriftstellerischen Abschluss literarisch erfolgreicher Bücher, aber auch mit der mir gewährten Mitarbeit an einer Zeitung in Kanada, die weltweit ihre Leser hat, darf ich dankbar von einem erfüllten Berufsleben sprechen. Es wäre ungerecht, nicht zufrieden zu sein.

Mit wieviel Jahren stand für Sie fest: Ich will auf die Bühne?

Autogrammkarte von Lutz Jahoda aus ganz frühen Tagen. Foto: ArchivEigentlich erst mit achtzehn, als mir in Wien Familie Elstner (gemeint sind die Angehörigen von „Wetten, dass …“- Erfinder Frank Elstner, Anm. d. Red.) eröffnete, nach Berlin gehen zu wollen und sich bereiterklärten, mich mitzunehmen und für meine Ausbildung zu sorgen. Dennoch bewarb ich mich in Berlin sicherheitshalber noch beim „Nachtexpress“ als Volontär. Als ein Theaterangebot schneller ins Haus flatterte als die Antwort der Zeitung, war die Entscheidung gefallen. Die Stelle beim „Nachtexpress“ erhielt übrigens Lothar Kusche, der in der DDR gern gelesene Autor humorvoller Bücher.

Man denkt manchmal, früher war es einfacher. Da gab es nicht so viel Konkurrenz wie heute. Da ging es bei der Kunst auch nicht in erster Linie ums Geld, so wie heute. Kann man das wirklich so sagen oder hatten Sie es als junger Künstler damals sogar schwerer als die Kollegen heute?

Leicht ist es zu keiner Zeit gewesen, und leicht ist es heute erst recht nicht. Begabung, Fleiß und handwerkliches Können – alles gut und schön; doch wenn nicht eine Portion Glück hinzukommt und die Gelegenheit, sich an entscheidender Stelle präsentieren zu können, kann alles bis ans Lebensende nur ein Traum bleiben.

Sie haben so viele Jahre in so vielen Programmen, TV-Sendungen und Filmen mitgewirkt. Welche Ihrer Auftritte und Engagements sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

All jene, die erfolgreich waren: Die ersten Rundfunkerfolge am Sender Leipzig als Sänger, später die Gelegenheit, diese Erfolgstitel auch im Fernsehen vorstellen zu dürfen. Dann mein erster Kinofilm „Das verhexte Fischerdorf“. Später die Hauptrolle auf dem Gebiet der ernsten Dramatik im TV-Dreiteiler „Abschied vom Frieden“. Auch die zehn Jahre mit Fernsehpapagei Amadeus sind nicht vergessen. Wie ich erfuhr, hat er die Wende nicht überlebt. Amadeus war eine Leihgabe des Leipziger Zoos und eigentlich eine Papageiendame, die auf den Namen Lore hörte. Die namentliche Geschlechtsumwandlung nahm sie professionell locker.

Im Vergleich zu heute: War das Zwischenmenschliche zwischen den Künstler-Kollegen anders als heute?

Ich glaube, dass es enger war. Doch könnte ich mir vorstellen, dass es auch heute wieder Freundschaften gibt, wenn Kollegen tourneebedingt länger beisammen und immun sind gegen  Tourneekoller, Stress und Gagenneid.

Für viele Künstler aus der DDR sind nach der Wende die Angebote ausgeblieben. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Locker, weil ich noch eine Sendereihe im Berliner Rundfunk bestritt, Hörspielangebote wahrnahm, und als Autor und Moderator bei „Radio 50plus“ mein Auskommen hatte.

Als die Mauer fiel, waren viele Menschen euphorisch und hatten große Pläne. War das bei Ihnen auch so?

Nein. Ich sah die Lage realistisch und war deshalb nicht überrascht. Die Ausgrenzung der Ostkünstler, von wenigen Ausnahmen abgesehen, leuchtete mir ein. Was von der medienweit eingeführten Gilde der Fernsehkünstler West abgedeckt werden konnte, blieb unverändert. Marktorientiert betrachtet, war das geradezu zwingend: Warum sich mit Unwägbarkeiten aus dem Osten zu belasten, wenn sich das Geschäft auch mit Vertrautem machen lässt?

Nach der Wende versuchten Sie sich, wie viele andere, als Kleinunternehmer, was gründlich schief ging. Haben Sie spätestens zu diesem Zeitpunkt den Westen Deutschlands und die Wende kritisch gesehen?

2002 brachte Lutz Jahoda noch eine Single rausWas Sie als Kleinunternehmen bezeichnen, waren zwei Gesellschaften mit beschränkter Haftung und mehreren Geschäften in frequentierter Berliner Lage. Geschäfte, die sich immerhin fünf Jahre lang auf dem Markt  halten konnten. Dass dieses Projekt scheiterte, lag an der Unternehmerfamilie, die offenbar bereits durch ihre Ladenkette in erstklassigen Centern der alten Bundesländer in finanziellen Nöten war und sich wie viele der „Glücksritter West“ im Osten sanieren wollten. Ich war lediglich das Betrugsopfer durch eine Zweitbürgschaft aufgrund ungenügender Überprüfung der Bonität des Unternehmens durch die Bank. Dass durch kriminelle Energie auch in gigantischem Maß etwas schiefgehen kann, zeigt uns die gegenwärtige Lage.

 Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?

Mich an meiner Familie zu erfreuen, aus diesem Grund gesund zu bleiben und weiterhin geistig frisch.

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Die Historie der Apotheke am Markt in Bischofswerda

Überarbeitet am Donnerstag, 5 April 2012 04:22 von Redaktion Donnerstag, 22 März 2012 08:57

Marktplatz in Bischofswerda mit Stadtapotheke

Marktplatz in Bischofswerda mit Stadtapotheke

Bischofswerda. (B.M.) Gut gefüllt war die Stadtbibliothek in Bischofswerda in der Dresdner Straße 1 am Abend des 16. März, als der Inhaber der Stadtapotheke, Rainer Klotsche, einen Vortrag über die Geschichte seiner Apotheke hielt. Seine gleich zu Anfang aufgestellte These, dass die Geschichte der Apotheke auch die Geschichte von Bischofswerda ist, zog sich wie ein roter Faden durch den ganzen Abend. Spätestens seit dem 13. Jahrhundert, als in den „Constitutiones medicinales“ der deutsche König und römische Kaiser Friedrich II. (1194-1250) die Trennung der Heilmittelkunde von der Heilkunde verfügt, entstehen in vielen deutschen Städten Apotheken. Die Apothecarii richten sich in Patrizier- oder Bürgerhäusern ein und bleiben oft über Jahrhunderte im selben Gebäude. Der griechische Begriff „Apotheca“ für Lagerraum, der bis dato nur im kirchlichen Sprachgebrauch verwendet wurde, setzt sich durch. Die erste heute noch bestehende Apotheke Europas wurde im Jahre 1241 in Trier eingerichtet. In Sachsen gilt die mit der Gründung der Leipziger Universität 1409 entstandene Löwenapotheke als die vermutlich älteste.

Es ist anzunehmen, dass es auch bald im 1076 von Bischof Benno von Meißen (1010-1106) zur Stadt erhobenen Werda einen Apotheker gegeben hat. Urkundlich erwähnt wurde ein solcher das erste Mal durch den Chronisten Christian Heckel. Danach soll der Apotheker Wolff in Bischofswerda eine Katze mit sechs Beinen, zwei Schwänzen und einem Kopf wie ein Mensch gehabt haben. Wahrscheinlich in Spiritus! Mehr als Absurditäten zu berichten gab es über den 1583 in Dresden geborenen Matthäus Fesser, der neben Apotheker auch Stadtrichter, Bürgermeister und Mäzen von Bischofswerda war. 1611 verfasste er eine Schrift „Pharmaca phylactica tempore pestis“, eine Abhandlung über Medikamente bei einer Pestepidemie. Eigentlich hieß er Fresser, aber Kaiser Rudolph II. (1552-1612) erlaubte ihm offiziell das R aus seinem Namen zu tilgen. Fesser ist mehrmals in den Annalen der Stadt Bischofswerda genannt. So wurde er 1639 während des Dreißigjährigen Krieges geschlagen und gefoltert, 1652 spendete er der Kirche eine Glocke und 1656 einen Taufstein. Außerdem war er Mitglied des Kirchenchores. Nach seinem Tod 1666 übernahm sein zweiter Sohn Johann Friedrich Fesser (1641-1703) die Apotheke. Der erbat sich 1681 vom Kurfürst Johann Georg III. (1647-1691) das Landesherrliche Privileg für die Apotheke, um sich vor den Wunderheilern und Quacksalbern zu schützen, welches ihm am 12. Mai 1683 auch erteilt wurde. 1699 wurde es von August dem Starken (1670-1733) neubeurkundet. Dieses Privileg mag als offizielles Dokument für den Beginn der Apotheke am Markt gelten.

Wie die ganze Stadt wurde auch die Apotheke über die Jahrhunderte in Mitleidenschaft gezogen. Beim großen Stadtbrand am 12. Mai 1813 brannte die Stadt bis auf drei Gebäude völlig nieder. Die Apotheke wird wieder aufgebaut und mehrmals restauriert. Das heutige Aussehen des Hauses am Markt geht weitgehend auf Ferdinand Hugo Röhrig zurück. 1907 hatte er den Antrag gestellt, die Apotheke in Stadtapotheke umzubenennen und das Stadtwappen führen zu dürfen. 1921 beauftragt Röhrig die Gaupe und die Ochsenaugen, die noch heute das Gebäude am Altmarkt 14 zieren. Die wunderschönen Kreuzgewölbe im Verkaufsraum fallen allerdings 1979 während der DDR-Zeit unsensiblen Umbauarbeiten zum Opfer. Am 1. Oktober 1990 übernimmt Johannes Rainer Klotsche die Stadtapotheke Bischofswerda und macht sie mit viel Eigenleistung wieder zu einem Schmuckstück. Der Apotheker ist sich des historischen Standorts bewusst und richtet Stück für Stück im Keller des Gebäudes ein Apothekenmuseum ein. Den Alchimistenkeller konnten schon viele Besucher besichtigen. Vor allem zum Tag der offenen Hinterhöfe, der 2012 nunmehr zum zwölften Mal in Folge am zweiten Sonntag im September stattfindet und dessen Initiator Klotsche ist. Eine Gelegenheit, für Alt und Jung aus nah und fern die Historie der Stadtapotheke zu Bischofswerda hautnah kennen zu lernen. Weitere Informationen unter www.stadtapo-biw.de.

Fotos: Birgit Matuschewski

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